Persönlichkeit entdecken – Die Kommode mit den vielen Schubladen
- Hardy Kistner

- vor 6 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Persönlichkeit ist für mich wie eine Kommode mit vielen Schubladen.
Einige dieser Schubladen benutze ich sehr oft. Sie sind vertraut, leichtgängi
g, manchmal sogar schon ein Stück offen.
Das sind die Seiten an mir, die ich gut kenne, die mir Sicherheit geben und auf die ich im Alltag ganz selbstverständlich zurückgreife.
Andere Schubladen hingegen kenne ich kaum oder gar nicht. Manche sind verborgen, andere klemmen ein wenig, wirken schwergängig oder wurden vielleicht lange nicht geöffnet. Aber das Entscheidende ist: Sie sind alle schon da.
Nichts davon muss neu erfunden werden – ich darf es lediglich entdecken.
Manchmal braucht es dafür Unterstützung. So wie ein wenig Öl, das hilft, eine Schublade wieder beweglich zu machen. Dieses „Öl“ kann ein Impuls von außen sein, ein geschützter Raum, Neugier, Mut oder gemeinsames Ausprobieren.
Eine Woche Zeit für die unbekannten Schubladen
In der Bildungszeit Impro nehmen wir uns genau dafür bewusst Zeit.
Eine Woche lang schauen wir nicht auf die Schubladen, die ohnehin schon offenstehen. Denn das sind bekannte Ressourcen – wertvoll, aber vertraut.
Stattdessen richten wir den Blick auf die anderen:
auf das Unentdeckte, das Ungewohnte, das vielleicht Überraschende.
Gerade im Improvisationstheater macht es großen Spaß, diese Seiten spielerisch zu erforschen – ohne Druck, ohne richtig oder falsch.
Und manchmal stellt man fest:Diese Schublade gefällt mir.
Diese Fähigkeit möchte ich öfter nutzen.
Diese Seite von mir darf Teil meines Repertoires werden.
Selbstbestimmt wählen, was ich öffne
Die Idee dahinter ist einfach und kraftvoll:
Ich stehe vor meiner Kommode und entscheide selbst, welche Schublade ich öffne.
Nicht nur die, die ohnehin offen ist – sondern auch die, die ich bewusst wählen möchte.
Improvisation unterstützt genau diesen Prozess: präsent sein, ausprobieren, scheitern dürfen, Neues integrieren.
Und am Ende geht es nicht darum, jemand anderes zu werden, sondern
mehr von mir selbst zur Verfügung zu haben.
Vielleicht lohnt es sich, die eigene Kommode einmal mit neuen Augen zu betrachten. Welche Schublade wartet darauf, geöffnet zu werden?



