Präsentieren ist kein Technikproblem
- Hardy Kistner

- vor 18 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Eine Woche Präsentationstraining liegt hinter mir.
Neun Teilnehmerinnen, fünf Tage, viele Fragen – und am Anfang vor allem eine große Erwartung:
Toolbox.
Was mache ich mit meinen Händen?
Wie stehe ich richtig?
Wie gehe ich mit Aufregung um?
Diese Fragen begegnen mir in nahezu jedem Training. Und sie sind verständlich. Denn Äußerlichkeiten geben scheinbar Sicherheit. Wer weiß, was er tun soll, glaubt oft, damit auch zu wissen, wie er wirkt.
Doch genau hier beginnt das Missverständnis.
Die Illusion der richtigen Technik
Viele Menschen gehen davon aus, dass eine gute Präsentation vor allem eine Frage der Technik ist.
Die richtige Körperhaltung.
Der passende Blickkontakt.
Die korrekte Handstellung.
Als ließe sich Wirkung wie ein Baukasten zusammensetzen.
Meine Erfahrung ist eine andere: Technik kann unterstützen – aber sie trägt nicht.
Im Laufe der Woche haben wir uns Stück für Stück von diesen äußeren Fragen verabschiedet. Nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie allein nicht tragen. Und weil sie oft etwas verdecken: die eigene Unsicherheit, den Wunsch nach Kontrolle, manchmal auch die Angst, gesehen zu werden.
Von Aufregung zu Präsenz
Am Montag standen Menschen vor mir, denen man deutlich angesehen hat, dass sie lieber überall anders gewesen wären als vor der Gruppe.
Anspannung im Körper.
Vorsicht in der Stimme.
Der Versuch, möglichst unauffällig zu bleiben.
Am Freitag haben diese Menschen Präsentationen gehalten, die sie sich selbst im Leben nicht zugetraut hätten.
Nicht, weil sie plötzlich perfekt waren.
Sondern weil sie angefangen haben, authentisch zu arbeiten.
Und genau dadurch entstand etwas Neues.
Neun Präsentationen – neun Persönlichkeiten
Am Ende der Woche waren neun völlig unterschiedliche Präsentationen zu sehen.
Kein einheitlicher Stil. Keine „richtige“ Lösung. Kein Schema F.
Warum?
Weil Präsentation in meinen Augen nichts anderes ist, als mit der eigenen Persönlichkeit etwas zu senden. Wir sind das Medium für den Inhalt.
Und wenn dieses Medium klar ist, präsent, nicht mit sich selbst beschäftigt, dann kommt in der Regel auch etwas an. Ob man den Inhalt mag oder nicht, ist eine andere Frage. Aber man bekommt mit, wer da vorne steht.
Sichtbar sein statt sich verstecken
Viele versuchen sich der Bühne, zu schützen. Sich kleiner zu machen. Sich hinter Technik, Folien oder Regeln zu verstecken.
Doch genau das nimmt einer Präsentation ihre Wirkung.
Diese Woche haben Menschen erlebt, dass sich Verstecken nicht lohnt, wenn man vorne steht. Dass es keinen Mehrwert bringt, möglichst unauffällig zu sein. Und dass Präsenz nichts mit Lautstärke oder Perfektion zu tun hat – sondern mit innerer Klarheit.
Mein Fazit
Gute Präsentationen entstehen nicht durch perfekte Handstellungen. Sie entstehen durch Haltung. Durch die Bereitschaft, sichtbar zu sein. Und durch den Mut, nicht jemand anderes sein zu wollen.
Danke für diese intensive, ehrliche Woche. Für Menschen, die an ihre Grenzen gegangen sind – und ihre Komfortzone erweitert haben.
Welche Erfahrungen hast du mit Präsentationen gemacht? Woran glaubst du, liegt es wirklich, ob eine Präsentation wirkt?



