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Ausbildung beendet – und jetzt bereit?


## Gedanken über Mut, Didaktik und meine Haltung als Trainer


Mitte Feb 26 endete meine fast halbjährige Mediationsausbildung.

Abschluss mit Kolloquium. Ein selbstständig vorbereiteter Fall. Prüfungssituation. Konzentration. Anspannung.


Und in der Mittagspause kam eine ehrliche Frage auf:


**Wo stehen wir eigentlich gerade? Fühlen wir uns bereit?**


Die Antworten waren – vorsichtig formuliert – zurückhaltend.


## Fachlich fundiert ist nicht automatisch handlungsfähig


Wir hatten verschiedene Trainerpersönlichkeiten in dieser Ausbildung.

Und genau das hat mir noch einmal sehr deutlich gezeigt, wie entscheidend Vermittlung ist.


Ein Trainer hat mich nachhaltig beeindruckt.

Klar in der Struktur. Präzise in der Sprache. Praxisnah in den Beispielen. Nach seinen Einheiten hatte ich das Gefühl:

*Ich weiß, wie ich das umsetzen kann.*


Andere waren fachlich absolut sattelfest. Keine Frage.

Und gleichzeitig wurde spürbar, wie groß der Unterschied ist zwischen:


* Wissen verstehen

* und Wissen anwenden können


Zwischen kognitiver Durchdringung

und innerer Sicherheit.


Und genau dort entscheidet sich Qualität.


## Was mir gefehlt hat

Die Ausbildung war intensiv.

Es wurde analysiert, auseinandergenommen, hinterfragt. Das ist wichtig.


Doch was aus meiner Sicht stellenweise zu kurz kam:


* Mehr echtes Üben

* Mehr Wiederholung

* Mehr Raum für Fehler ohne Bewertung

* Mehr bewusste Stärkung dessen, was bereits da ist


Denn Lernen braucht nicht nur Korrektur.

Lernen braucht auch Bestätigung.


Nicht im Sinne von „alles ist gut“.

Sondern im Sinne von:

**Du bist auf einem guten Weg.**


## Ich kenne dieses Gefühl


Nach meiner Schauspielausbildung saß ich damals ebenfalls da und dachte:

*„Und damit soll ich jetzt losgehen?“*


Ich war unsicher.

Ich habe mich sogar an anderen Schulen beworben, weil ich dachte, es reicht nicht.


Und dann bin ich gestartet. Und es hat funktioniert!


Heute – viele Jahre später – frage ich mich jedoch:


Warum müssen Menschen trotz einer Ausbildung mutig sein –

und nicht wegen ihr?


## Meine Haltung als Trainer


Diese Erfahrung nehme ich sehr bewusst mit in meine eigene Arbeit.


Ich glaube:


Eine Ausbildung darf fordern.

Sie darf konfrontieren.

Sie darf Unsicherheiten sichtbar machen.


Aber sie sollte Menschen am Ende größer machen.


Sie sollte:


* Handlungssicherheit fördern

* Selbstwirksamkeit stärken

* Mut zum Ausprobieren ermöglichen

* nicht nur Defizite benennen, sondern Wachstum sichtbar machen


Wissen zu vermitteln ist relativ leicht.

Kompetenz entstehen zu lassen ist anspruchsvoller.

Mut zu stärken ist Verantwortung.


Mein Anspruch als Trainer ist daher nicht nur Informationsweitergabe.

Sondern Befähigung.


Teilnehmende sollen am Ende sagen können:

„Ich bin nicht perfekt. Aber ich bin bereit.“


## Eine offene Frage

Vielleicht ist genau das die eigentliche Messlatte für gute Ausbildung:


Nicht, ob alles gesagt wurde.

Sondern ob Menschen ins Handeln kommen.


Wie viel Mut sollte eine Ausbildung vermitteln?

Und woran merkt man, dass sie wirklich gelungen ist?


 
 

HARDY KISTNER

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