WIE GRUPPEN GUT FUNKTIONIEREN KÖNNEN
- Hardy Kistner

- vor 22 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Das größte Kompliment für einen Trainer ist oft eines, das gar nicht an ihn gerichtet ist:
„Die Gruppe war unglaublich toll.“
In solchen Momenten denke ich: Alles richtig gemacht.
Früher hätte ich mir allerdings nie vorstellen können, einmal als Trainer zu arbeiten – geschweige denn, diesen Beruf so zu lieben. Heute bekomme ich in meinen Trainings immer wieder ein ähnliches Feedback: Die Teilnehmenden fühlen sich wohl miteinander. Es entsteht schnell eine Atmosphäre, in der Menschen offen werden, sich austauschen und gemeinsam lernen.
Wenn der Rahmen stimmt, finden Gruppen erstaunlich schnell zueinander. In kurzer Zeit entsteht eine Dynamik, die bei vielen Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Und oft ist genau das der Punkt, den sie am Ende hervorheben: die Gruppe.
Ein Perspektivwechsel
Es gab eine Zeit, in der mich dieses Feedback fast geärgert hat.Weil niemand ausdrücklich gesagt hat:
„Du als Trainer hast dafür gesorgt, dass diese Gruppe so gut funktioniert.“
Inzwischen sehe ich das anders.
Wenn eine Gruppe funktioniert, ist genau das bereits das Feedback an mich als Trainer – auch wenn es den Teilnehmenden selbst vielleicht gar nicht bewusst ist.
Natürlich freue ich mich weiterhin über positives Feedback. Genauso über kritische oder herausfordernde Rückmeldungen. Beides hilft mir, meine Arbeit weiterzuentwickeln.
Warum Verbindung vor Inhalt kommt
In den letzten Jahren haben mich viele Teilnehmende aus unterschiedlichen Trainingsformaten gefragt, ob ich meine Methode weitergeben kann. Genau deshalb startet heute mein erster Train-the-Trainer-Kurs.
Und nicht zuletzt deswegen beschäftige ich mich gerade intensiv mit meiner eigenen Arbeitsweise.
Ein zentraler Punkt dabei ist für mich das, was ich „Rudelbildung“ nenne.
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Bevor Inhalte wirklich wirken können, braucht es Verbindung innerhalb der Gruppe. Deshalb nehme ich mir in mehrtägigen Trainings oft den ersten Tag – oder zumindest einen halben – ausschließlich für diesen Prozess.
Damit jede Person ihren Platz finden kann.Damit alle ein Gefühl füreinander entwickeln.
Dazu gehört auch, Menschen mit ihren Ängsten, Erwartungen und Widerständen anzunehmen. Nichts wegzudiskutieren. Nichts „glatt zu argumentieren“.
Im Gegenteil.
Widerstände und Ängste anzunehmen ist für mich der Schlüssel.
Denn genau dadurch entsteht ein Raum, in dem Menschen merken:
Hier darf ich sein, wie ich bin.
Hier muss ich nichts darstellen.
Und genau dort beginnt echte Öffnung – und damit nachhaltiges Lernen.
Wenn Training unter die Haut geht
Mit meinen Trainings versuche ich, unter die Haut zu kommen. Damit am Ende nicht nur Inhalte vermittelt werden, sondern etwas bleibt.
Nicht nur Wissen für den Moment, sondern Erfahrungen, die wirken.
Das braucht Energie.Und Mut.
Aber genau das macht für mich ein gutes Training aus.
Ein neuer Anfang
Heute startet mein erster Train-the-Trainer-Kurs. Ich freue mich darauf, angehenden Trainerinnen und Trainern genau dazu Mut zu machen:
Nicht nur Zahlen, Daten und Fakten zu vermitteln – sondern die Menschen im Raum wirklich zu sehen, ihnen Raum zu geben und diesen Raum auch zu halten.
Denn ich bin überzeugt:
„Man kann Menschen nichts beibringen.Man kann ihnen nur helfen, es selbst zu entdecken.“— Galileo Galilei
Damit das gelingen kann, muss vor allem eines stimmen: der Rahmen.
Und ich bin gespannt auf alles, was heute beginnt.



