Kooperation als Führungskompetenz: Warum autoritäre Führung Engagement kostet
- Hardy Kistner

- vor 9 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Führung verändert sich. Und sie muss es auch.
In einer Zeit wachsender Unsicherheit, hoher Komplexität und zunehmender Veränderungsdynamik reicht es nicht mehr aus, Entscheidungen „von oben“ zu treffen und auf Gefolgschaft zu setzen. Im Gegenteil: Autoritäre Führung kostet Engagement – und damit Zukunftsfähigkeit.
Warum autoritäre Führung nicht mehr funktioniert
Viele Führungskräfte erleben aktuell einen enormen Druck: Fachkräftemangel, wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Anforderungen. In solchen Situationen greifen manche wieder auf vertraute Muster zurück – mehr Kontrolle, klarere Ansagen, schnellere Entscheidungen im Alleingang.
Kurzfristig mag das effizient wirken. Langfristig jedoch zeigen zahlreiche Studien:
Das Engagement im Team sinkt.
Die Fluktuation steigt.
Die Leistungsfähigkeit wird eingeschränkt.
Das Selbstwirksamkeitserleben der Mitarbeitenden nimmt ab.
Und genau dieses Selbstwirksamkeitserleben ist ein zentrales menschliches Grundbedürfnis. Wer nicht gestalten darf, verliert Motivation. Wer nicht gehört wird, zieht sich zurück. Wer keinen Sinn erlebt, arbeitet nur noch funktional.
Mitarbeitende wollen mehr als Aufgaben
In meinen Kursen und Trainings wird eines immer wieder deutlich:
Mitarbeitende wollen
Sinn in ihrer Tätigkeit erleben
gesehen werden
Wertschätzung erfahren
Einfluss nehmen dürfen
Das ist kein „Nice-to-have“. Das ist die Grundlage für Engagement.
Kooperation ist dabei keine weiche Sozialromantik. Sie ist eine strategische Führungsentscheidung.
Kooperation bedeutet nicht Kontrollverlust
Gerade läuft mein Kurs „Kooperation für Führungskräfte“ in Reinickendorf. Führungskräfte aus unterschiedlichen Kontexten nehmen sich bewusst Zeit, um das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
Was wir dort tun, ist kein radikaler Umbau der Persönlichkeit.
Wir stärken Kompetenzen, die längst vorhanden sind.Wir reflektieren und verändern hinderliche Glaubenssätze.Wir erweitern das Führungsrepertoire um konkrete, alltagstaugliche Werkzeuge.
Ein Teilnehmer brachte es kürzlich auf den Punkt:
„Ich dachte immer, ich müsste meine Fähigkeit entwickeln, mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Hier habe ich entdeckt, dass es noch viele andere Tools gibt, die mir helfen können, mit meinen Mitarbeitenden Beziehungen auf Augenhöhe zu führen. Ich kann es kaum erwarten, das am nächsten Montag auszuprobieren.“
Genau das beschreibt den Wandel in der Führungsrolle.
Die neue Rolle von Führung
Die Führungskraft der Zukunft ist nicht primär Anweiserin oder Kontrolleur. Sie ist Gestalterin von Rahmenbedingungen.
Sie schafft Strukturen, in denen:
unbequeme Wahrheiten ausgesprochen werden dürfen
Fehler als Lernchancen gesehen werden
unterschiedliche Perspektiven erwünscht sind
Verantwortung geteilt wird
Kooperation entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Haltung, Klarheit und gelebte psychologische Sicherheit.
Fazit: Kooperation ist Zukunftskompetenz
Autoritäre Führung mag kurzfristig Ordnung schaffen.Kooperative Führung schafft langfristig Leistung.
Organisationen, die wirklich innovativ, resilient und attraktiv bleiben wollen, brauchen Führungskräfte, die Beziehungskompetenz, Dialogfähigkeit und Mut zur Offenheit entwickeln.
Die gute Nachricht:
Diese Kompetenzen sind in den meisten Führungskräften bereits angelegt. Sie müssen nur bewusst gestärkt und trainiert werden.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Wie viel echte Kooperation ermöglicht Ihre Führung – und wo regiert noch still die Angst?



